Sonnentor – Wo Sonne, Boden und gute Ideen zusammenfinden

Ein Anfang mit drei Bauernfamilien

Die Geschichte von Sonnentor beginnt im Jahr 1988 im Waldviertel. Johannes Gutmann war damals Anfang zwanzig, arbeitslos und fest entschlossen, sich selbstständig zu machen. Sein Geschäftsplan umfasste nur eine Seite, doch die Idee dahinter war klar: Er wollte biologisch angebaute Kräuter aus seiner Heimat gemeinsam vermarkten und damit kleineren landwirtschaftlichen Betrieben neue Möglichkeiten eröffnen.

Mit den Familien Bauer, Kainz und Zach fand Gutmann die ersten Partner:innen für sein Vorhaben. Zu einer Zeit, in der biologische Landwirtschaft noch wenig Aufmerksamkeit erhielt, verkaufte er Kräuter und Gewürze auf Märkten und stellte seine Idee persönlich vor. Der gemeinsame Auftritt unter einer Marke unterschied sich von der damals üblichen Vermarktung einzelner Bauernhöfe.

Ein alter Hof wird zum neuen Mittelpunkt

In den ersten Jahren arbeitete Gutmann von einem kleinen Haus in Zwettl aus. 1992 erfuhr er von einem leer stehenden Bauernhof im rund 100 Einwohner:innen zählenden Ort Sprögnitz. Trotz des schlechten Zustands kaufte er das Gebäude und machte es zum neuen Unternehmenssitz.

Der alte Hof wurde schrittweise erweitert und entwickelte sich zum Zentrum für Verarbeitung, Verpackung und Versand. Später kamen Produktions- und Lagerhallen, ein Geschäft, ein Bio-Gasthaus sowie Angebote für Besucher:innen hinzu. Seit 2022 besitzt Sonnentor in Sprögnitz außerdem ein großes Kräuter-Hochregallager aus Holz.

Aus dem kleinen Kräuterhandel entstand ein international tätiges Familienunternehmen. Heute umfasst das Sortiment rund 900 Produkte, von Tees und Gewürzen über Kaffee bis zu Sirupen und weiteren Bio-Lebensmitteln. Sonnentor beschäftigt international etwa 600 Menschen und vertreibt seine Produkte in rund 60 Ländern.

Eine Sonne als Zeichen der Unabhängigkeit

Der Name und das Logo gehen auf ein altes Symbol aus dem Waldviertel zurück. Bauernfamilien, die sich aus der Abhängigkeit von Grundherren lösen und eigenen Besitz erwerben konnten, brachten Sonnenzeichen an ihren Hoftoren an. Sie standen für Freiheit und ein selbstbestimmtes Leben.

Dieser Gedanke passte zu Johannes Gutmanns Vorstellung eines unabhängigen Unternehmens. Gemeinsam mit dem Maler Johannes Fessl entwickelte er eine lachende Sonne als Markenzeichen. 1994 wurde das Logo professionell überarbeitet und zusammen mit den blau-beigen Verpackungen zu einem wichtigen Teil des einheitlichen Markenauftritts.

Anfang 2025 erhielt die Sonne ein neues Design. Statt der früheren 24 besitzt sie seither zwölf Strahlen. Sie stehen für 24 Stunden Unabhängigkeit – zwölf am Tag und zwölf in der Nacht. Das Unternehmen selbst befindet sich weiterhin fast vollständig im Eigentum von Johannes und Edith Gutmann und ist von externen Investor:innen unabhängig.

Bio als Grundlage des Unternehmens

Die Zusammenarbeit mit landwirtschaftlichen Betrieben ist bis heute ein wesentlicher Teil des Geschäftsmodells. Rund zwei Drittel der verwendeten Rohwaren bezieht Sonnentor im direkten Handel. Etwa ein Drittel stammt aus Österreich, weitere Kräuter und Gewürze kommen unter anderem aus Tschechien, Rumänien, Albanien, Nicaragua und Tansania. Insgesamt finden rund 1.000 Bio-Bäuerinnen und Bio-Bauern durch die Zusammenarbeit ein Einkommen oder einen zusätzlichen Verdienst.

Auch bei Verpackungen versucht das Unternehmen, den Materialeinsatz zu verringern. Verwendet werden unter anderem Papier, Karton sowie Folien und Teebeutel aus pflanzlichen Fasern. Rund 90 Prozent der Produktverpackungen können inzwischen wieder einem Rohstoffkreislauf zugeführt werden.

Seit 2011 erstellt Sonnentor regelmäßig eine Gemeinwohlbilanz. Darin werden nicht nur wirtschaftliche Ergebnisse betrachtet, sondern auch der Umgang mit Mitarbeitenden, Lieferant:innen, Gesellschaft und Umwelt. So ist aus einer ungewöhnlichen Idee im Waldviertel eine international bekannte Bio-Marke entstanden, deren Mittelpunkt weiterhin in Sprögnitz liegt.