Zotter Schokolade – die süßeste Kreativität aus der Steiermark
Der Anfang in einer Grazer Konditorei
Josef Zotters Weg zur Schokolade begann nicht in einer Fabrik, sondern in der Gastronomie. Der gelernte Koch, Kellner und Konditormeister arbeitete unter anderem in internationalen Hotels, bevor er sich selbstständig machte.
1987 eröffneten Josef und Ulrike Zotter ihre erste Konditorei in der Grazer Glacisstraße. Ungewöhnliche Kreationen wie die Hanfschnitte oder eine Käferbohnenroulade mit Koriander machten den Betrieb regional bekannt. Es folgten drei weitere Filialen.
Im Hinterzimmer der Konditorei begann Josef Zotter 1992 mit der Herstellung eigener Schokoladen. Dabei entwickelte er die handgeschöpfte Schokolade: eine flache Tafel mit mehreren Füllungen, die in Schichten aufgetragen und mit Schokolade überzogen werden. Zu den ersten Sorten gehörten Mohn-Zimt, Kürbiskrokant mit Marzipan und Hanf.
Scheitern und ein neuer Anfang
Die schnelle Expansion brachte das Unternehmen in Schwierigkeiten. 1996 musste Josef Zotter Insolvenz anmelden und drei der vier Konditoreien schließen. Die Erfahrung wurde zu einem Wendepunkt: Statt das bisherige Konzept fortzuführen, entschied sich die Familie, vollständig auf Schokolade zu setzen.
1999 eröffneten Josef und Ulrike Zotter im ehemaligen Stall des elterlichen Hofes in Bergl bei Riegersburg eine eigene Schokoladenmanufaktur. Dort entstand Schritt für Schritt ein Unternehmen, das handwerkliche Herstellung mit ungewöhnlichen Geschmacksrichtungen und einer auffälligen Markenwelt verband.
Der Neustart erwies sich als erfolgreich. Heute produziert Zotter jährlich rund 1.000 Tonnen Schokolade und beschäftigt am Standort in Riegersburg etwa 230 Mitarbeiter:innen.
Von der Kakaobohne bis zur fertigen Tafel
Seit 2007 arbeitet Zotter nach dem Bean-to-Bar-Prinzip. Die angelieferten Kakaobohnen werden in der eigenen Fabrik geröstet, gemahlen, gewalzt und conchiert. Erst danach entstehen aus der fertigen Schokolade Tafeln, Pralinen und gefüllte Sorten.
Bereits 2004 stellte das Unternehmen sein Sortiment auf fair gehandelte Rohstoffe um. Zwei Jahre später folgte die vollständige Umstellung auf biologische Zutaten. Seit 2018 ist Zotter Mitglied der World Fair Trade Organization, die nicht nur einzelne Produkte, sondern das gesamte Unternehmen nach ihren Kriterien überprüft.
Die Kakaobohnen stammen aus unterschiedlichen Regionen in Lateinamerika, Afrika und der Karibik. Durch Reisen in die Anbauländer und den direkten Kontakt mit Produzent:innen will Zotter zugleich die Qualität der Rohstoffe und die Bedingungen in der Lieferkette verbessern.
Schokolade als Kunst und Erlebnis
Zum Markenzeichen wurde neben den ungewöhnlichen Rezepturen auch die Gestaltung der Verpackungen. Seit 1994 entwirft der Künstler Andreas h. Gratze Illustrationen und Namen für die Schokoladen. Dadurch erhält jede Tafel ein eigenes Erscheinungsbild, während die gemeinsame gestalterische Linie erkennbar bleibt.
Das Sortiment umfasst rund 500 verschiedene Schokoladensorten und etwa 400 biologische Zutaten. Diese Vielfalt reicht von klassischen Ursprungsschokoladen bis zu ausgefallenen gefüllten Tafeln und wechselnden Sondereditionen.
In Riegersburg können Besucher:innen die Herstellung im Schoko-Laden-Theater verfolgen und Produkte an verschiedenen Stationen verkosten. Rund 290.000 Menschen besuchen die Erlebniswelt jährlich. Seit 2011 gehört dazu auch der Essbare Tiergarten, eine begehbare Bio-Landwirtschaft mit Gärten, Weideflächen und eigener Lebensmittelproduktion.
Die nächste Generation übernimmt
Zotter ist weiterhin ein unabhängiges Familienunternehmen, hat inzwischen jedoch einen Generationenwechsel vollzogen. Mit 1. März 2026 übernahm Julia Zotter die Geschäftsführung von ihrem Vater. Sie hatte zuvor das Schokoladen-Theater in Shanghai aufgebaut und arbeitete seit 2017 in der Produktentwicklung in Riegersburg.
Auch ihre Geschwister sind im Betrieb tätig: Michael Zotter leitet die IT-Abteilung, Valerie Zotter arbeitet in der Erlebniswelt. Ulrike Zotter ist seit den Anfängen für das Management des Unternehmens mitverantwortlich.
Damit bleibt Zotter seiner steirischen Herkunft treu, ohne stehen zu bleiben. Die Verbindung aus Bio-Zutaten, fairem Handel, eigener Produktion und gestalterischer Experimentierfreude macht die Marke bis heute unverwechselbar.



Sommerszene Gänserndorf - Credits Dr. Johann Tuschl